Reportagen
Modell- und Europa-Truck-Trial am Nürburgring 2002
Modell trifft Original
(Bericht von Arnd Bremer)

Manchmal ist es gut wenn Termine abgesagt werden, besonders wenn dadurch ein anderer (nicht geplanter) nackrückt. So auch in diesem Fall. Ursprünglich sollte der dritte EM-Lauf im Europa-Truck-Trial in Assen/NL stattfinden. Dieser Lauf wurde jedoch gestrichen und es fügte sich, dass der Lauf in einem Lavasteinbruch in der Nähe des Nürburgrings im Rahmen des Truck-Grand-Prix ausgerichtet wurde.Diese glückliche Fügung nahmen wir zum Anlass Kontakt mit dem ADAC aufzunehmen und anzufragen, ob Interesse bestünde auch Trial-Modelle bei diesem Event zu präsentieren. Antwort kam in Form eines Mails von Verantwortlichen der MSR-GmbH, die hier für die Organisation verantwortlich zeichnet. Ein klärendes Telefonat mit Herrn Helmut Rademacher brachte weitere Informationen. Wir sollten bis Ende Juni mitteilen, wieviele Modelltrucker mit ihren Modellen kommen wollten. Man lies uns die Wahl, wo wir ausstellen wollten: beim Truck-Grand-Prix oder beim Truck-Trial. Keine Frage, wir wollten den direkten Vergleich mit den Grossen.

Da die Zahl der Modell-Truck-Trialer (noch) übersichtlich ist, starteten wir einen Aufruf im Internet (www.modelltruck.de und www.rc-lkw.de), wer Interesse habe sich mit seinem Modell hier vorzustellen. Es sollte kein Wettwerb sein, sondern einfach nur eine Werbefahrt für dieses aussergewöhnliche Hobby. Es meldeten sich auf diesen Aufruf leider wenige Fahrer, bestimmt zurückzuführen auf die kurze Vorlaufzeit und die räumliche Entfernung. Das sollte dem ganzen aber keinen Abbruch tun. Im Vorfeld wurde via Internet und Mailaustausch der grobe Ablauf festgelegt.

Man traf sich auf dem Platz vor dem Eingang. Herr Mölisch, als Verantwotlicher vor Ort, war wie abgesprochen auf Anruf beim Eingang und fuhr mit uns zu unserem Platz. Man hatte für uns einen erhöhten Platz im Eingangsbereich gewählt. Die Besucher und Aktiven mussten an unserem Stand vorbei, wenn sie zu den einzelnen Sektionen wollten.

Partyzelt, Tapeziertisch für die Trucks und Partyganitur für die Teilnehmer wurden natürlich mitgebracht. Auch ein kleiner Grill war im Gepäck. Insofern keine Unterschiede zu den Grossen. Nur das auch hier die Grössenunterschiede unübersehbar waren. Die Grossen werden auf Tiefladern, teilweise auf eigenen Rädern, zum Wettbewerb gebracht. Bei uns genügte ein Citroen Jumper, den Guido freundlicher Weise bereitgestellt hatte. Das "Servicezelt" war entsprechend kleiner, selbst der Grill fiel bescheidener aus. Dem Spass tat das aber keinen Abbruch. Nach dem Aufbau, die Diskussion, wo stellen wir das Zelt und wo die PKW´s hin dauerte etwas länger, ging es daran, die Strecke zu begehen und einen Parcour festzulegen. Da unser Platz, wie gesagt, auf einer kleinen Anhöhe lag, wurde in den davor liegenden Hang eine Strecke modelliert. Die dafür mitgebrachte Schüppe tat hier gute Dienste. Auf den avisierten Radlader mussten wir leider verzichten, da Rene kurzfristig aus beruflichen Gründen abgesagt hatte.

Von unserem Standort aus hatten wir einen guten Blick in den Lavasteinbruch. Zwei Sektionen konnten komplett eingesehen werden. Hier waren die Aktiven auch schon heftig dran, den Boden zu "pflügen".Insbesondere das Dröhnen der Dieselmotoren machte uns Laune. Ein solcher Sound fehlt doch an unseren Modellen. Vielleicht kann ja mal ein Hersteller diesen Sound digital aufbereiten und als Soundmodul anbieten.Wäre eine echte Bereicherung.

Wir starteten mit unserem Fahrprogramm sofort nach Fertigstellung der Fahrstrecke. Kleine Fähnchen von einem Sponsor markierten den Streckenverlauf. Die ersten Passanten blieben stehen und schauten zu. Herr Rademacher schaute vorbei und war spontan so angetan von unserem Treiben, dass er in Aussicht stellte,dass wir im nächsten Jahr wieder dabei seien. (Wir kommen gerne darauf zurück.)

Um ein wenig die Benzinkasse aufzufüllen, gab es für Zuschauer die Möglichkeit die Trucks im Gelände zu fahren. Dies würde es bei den Originalen niemals geben. Einige Kids machten hier von Gebrauch und fuhren mit den Modellen über den abgesteckten Parcour.

Der Parcour verlief in Serpentienen über den rechten Hang, folgte dem Verlauf des Hügels um an der zum Weg liegenden Seite wieder am Hang hochzuführen. Der Untergrund stellte mit Schotter und losem Geröll hier schon genung Hinderniss dar, so dass wir auf den Einbau von wirklich schwierigen Passagen verzichten konnten. Schliesslich wollten wir die Testfahrer und die Fahrzeuge ja nicht überlasten.

Hier zeigte sich, dass die Mädels gefühlvoller mit dem Gas umgingen. Die Jungs fuhren digital: NULL/EINS, dazwischen gab es nichts. Dieses Fahrverhalten wurde mir in Sinsheim von einem Offroad-Veranstallter auch für die Grossen bestätigt. Also auch Gemeinsamkeiten.

Als Bestätigung für die Bewältigung des Parcours gab es dann eine vorbereitete Urkunde für jeden. Beim Rundgang durch den Steinbruch und Begutachtung der Fahrzeuge fielen weitere Gemeinsamkeiten auf. Die Grossen kämpfen im Grunde genommen mit den gleichen Problemen: Reifen, die sich mit Schlamm zusetzen haben wenig bzw. keine Griff, im Grossen wie im Kleinen. Steine und Felsen, die direkt vor den Achsen liegen verhindern ein vorwärtskommen. Ab einem bestimmten Winkel kippt das Fahrzeug. Die Auswirkungen spüren die Fahrer der Originale natürlich am eigenen Körper. Da haben wir es mit den Modellen schon besser, uns tut so ein Überschlag nur psychisch weh. Am Samstag Nachmittag zogen am Horizont dunkle Wolken auf. Wir machten uns also daran unser Equipment ins Trockene zu bringen. Was uns auch gelang, bevor der Regen einsetzte. Den Grossen machte der Regen natürlich weniger aus, ausser das die Sektionen schwieriger zu befahren waren.

Am Sonntag trafen wir uns mit verkleinerter Mannschaft wieder auf unserem Standplatz. An ein Aufbauen war nur nicht zu denken, da es den ganzen Tag über regnete. Man könnte sagen: Typisch Eifel. Es war einer der meistgesprochenen Sätze von Publikum und Aktiven: "Muss das so regnen?" Da die Feuchtigkeit von unten und oben nun nicht zu den besten Freunden der Elektronik in den Modellen gehört, verzichteten wir auch erstmal auf ein Fahren. Gegen Mittag liess der Regen etwas nach, so dass wir es wagten mit drei Fahrzeugen eine Fahrt durch den Steinbruch anzutreten. Wenn das Publikum nicht zu uns kommt, kommen wir halt zum Publikum. Diese Fahrt kam sehr gut an. Zuschauer wendeten sich von den Originalen ab und schauten unseren Modellen zu. Fotografen, private und offizielle, machten Ihre Bilder. Fragen wurden gestellt und von uns bereitwillig beantwortet. Fragen, die auch die Aktiven Teilnehmer der EM, gestellt bekamen; welche Motoren fahrt ihr, welche Reifen, welche Achsen etc.

Wir fuhren weiter durch den Steinbruch. Nach erfolgter Bewältigung eines schlammigen Steilhangs gab es von den hier stehenden Zuschauern spontan Applaus.

Am Nachmittag starteten wir zu einer zweiten Tour durch das Gelände. Auf dem Weg ins Infield kamen uns S2 und S3 Fahrzeuge entgegen. Einige Fahrer belächelten uns nur milde, andere hielten begeistert ihren Unimog an und begutachteten unsere Modelle.

Dieser Ausfahrt setzte ein Defekt am Actros ein Ende, wie am Tag zuvor am MAN mit der Startnummer 504, brach ein Teil der Lenkung. Der MAN wurde über Nacht wieder, auch mit Hilfe der Konkurrenz, fitt gemacht, für den Actros war an diesem Tag erstmal Feierabend. Diese teamübergreifende Hilfe kennen wir auch aus Sinsheim vom Modell-Truck-Trial. Die Bergung und der Rücktransport des Modells erfolgte per Hand. Es hat halt auch seinen Vorteil, dass man nicht direkt eine Bagger benötigt, wenn man einmal Stecken bleibt bzw. einen Defekt hat.

Es hat allen Beteiligten einen riesen Spass gemacht diese Veranstalltung zu besuchen und zu befahren. An dieser Stelle nochmals vielen Dank an die Veranwortlichen, besonders an Herrn Mölisch, der sich vor Ort um uns gekümmert hat.

Von unserer Seite steht einer Wiederholung nichts im Wege. Wir freuen uns schon aufs nächste Jahr, hoffentlich bei Trockenem Wetter.

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